Zell (Mosel) oder Zell (Uloid) – das war hier die Frage!

Einige Jahre schon dauert nun schon die Umstellung der geliebten Zelluloid-Kugel auf den ungeliebten Plastikball. Was lag da näher, als bei der Auswahl unseres diesjährigen Ausflugsziels zum Saisonabschluss, nach Zell an der Mosel zu reisen. Nächsten Jahr werden wir dann wohl unseren Ausflug nach Plast(au) machen.

Neben Materialfrage war bei der Orstauswahl natürlich auch die Historie des Zielortes in Einklang mit den knapp 300 Jahren, die wir zu fünft aufbieten, zu bringen. Zell ist eine römische Gründung nach 70 n. Chr. Der Ortsteil Kaimt, in dem wir gewohnt haben, wurde 732/33 erstmals urkundlich erwähnt. Glück gehabt, der Ort ist noch älter als wir.
Das Programm für die zwei Tage war schnell festgelegt. Weinprobe, Essen, Spielen, etwas Bewegung, Spielen, Essen, Weintrinken. Praktisch, dass wir im Weingut Stülb, eine ideale Bleibe gefunden hatten. Klaus Stülb begrüßte uns persönlich und sehr freundlich am Anreisetage, um dann kurz darauf eine Kellerführung mit Weinprobe für uns zu arrangieren. Nach sehr unfreundlichem Wetter in der ganzen Woche hatten wir das Glück auf unserer Seite und wurden nach der Weinprobe noch mit herrlichem Sonnenschein belohnt. Nach dem Essen klang der Abend wir gewohnt mit diversen Karten-, Brett- und Würfelspielen inkl. Stülbwein aus. Gut, dass dabei die Komplexität der Spiele im Laufe des Abends sank und sich damit diametral zum Alkoholpegel verhielten. Bald galt es jedoch langsam aber sicher die alten Knochen zur Ruhe zu begeben, um für die geplante ‚große‘ Radtour gerüstet zu sein. Markus hatte sich im Vorfeld schon dankenswerter Weise um die Reservierung von Rädern bemüht, darunter auch ein Pedelec für unseren etwas ungeübten knapp 50-jährigen Radel-Youngster. Dieser torpedierte jedoch Markus Bemühungen, indem er unangekündigt sein eigenes ‚Edel‘-Bike mitbrachte.
Ich selbst hatte mein MTB auch dabei und so fuhren Heidi und ich am Samstagmorgen per Rad zum Verleih, während Markus, Klaus und Rolf das Auto nahmen. Als wir ankamen, hatten alle bereits Ihre Räder ausgesucht und Heinz-Dirk musste nach zwei gemeinsamen Radkilometern mit mir erkennen, dass man ein jahrelang nicht gefahrenes Rad nicht einfach so benutzen kann. Mir klangen da noch die Worte seiner Frau Christine beim Einladen im Ohr: ‚Bist Du sicher, dass Du damit nach drei Jahren im Keller noch fahren kannst?‘ Er war sich sicher, aber nur ganz kurz: Von seinen theoretisch 21 Gängen, waren maximal noch zwei zu benutzen. Somit kam das reservierte Pedelec doch noch zum Zuge und das Sprichwort ‚Guter Rad ist teuer‘ bewahrheitete sich. Belastete doch das Pedelec mit knapp 30 EUR die Mannschaftskasse um mehr als das dreifache als die Bikes mit reiner Muskelkraft. Mit drei Tourenbikes, einem Pedelec (auch oft fälschlicherweise und leicht verächtlich eBike genannt) und meinem MTB machten wir uns auf die weite Reise entlang der Mosel in Richtung Traben-Trarbach.

Heinz-Dirk gab dabei stets entspannt und ohne jemals außer Atem zu kommen das Tempo vor, während der Rest mit maximaler Beinkraft den Weg nach vorne zum Pacemaker suchte. Dass ein Pedelec bei aller elektrischer Unterstützung auch seine Tücken haben kann, musste unser Youngster bereits nach knapp 10 km erfahren. Beim Versuch eines eleganten U-Turns gab der Akku plötzlich Zaster und schickte Dirk aufs Pflaster. Zum Glück blieb es bei kleinen Schürfwunden und wir konnten alle unsere Fahrt fortsetzen. Nach gut 21 km erreichten wir dann Tarben-Trarbach und die Wunde konnte nach einem Apothekenbesuch erstversorgt werden. Nach einer kleinen Eis-, Kuchen- und Kaffee-Stärkung machten wir uns zügig auf den Heimweg flußabwärts. Wie das Wort ‚flußabwärts‘ eigentlich impliziert, freuten wir uns alle auf eine leichte Bergabfahrt.

vlnr: Markus, Rolf, Heidi, Peter (Foto: Klaus)

Doch zum Glück sorgte nun eine schöner Gegenwind für unser Fitness-Training. Nur unser ‚Akku‘-Biker konnte weiterhin locker und zart die Pedale streicheln, ohne dabei auch nur einen Hauch an Geschwindigkeit einzubüßen.
Nach insgesamt 41 km bei immerhin 160 Höhenmetern pflegten wir bei einer kleinen Brotzeit mit Kellerbier unsere müden Knochen, um dann langsam für den kulinarischen Höhepunkt am Abend zu planen. Wer hatte wohl hier noch die meiste Energie? Natürlich der nach 41 km perfekt ausgeruhte Heinz-Dirk. Er recherchierte unermüdlich in Netz und schlug uns das Lokal Die Graifen in Traben-Trarbach vor. Irgendwie kam uns der Ort bekannt vor! Netterweise bot sich unser Youngster auch noch als Chauffeur an. So warfen wir uns nach der Sportschau in die besten Trainingsklamotten und machten uns auf den Weg. Es erwartete uns wirklich ein tolles Restaurant im perfekten Ambiente. Die Speisekarte und die Weine taten ihr übriges, getreu dem Motto des Restaurants ‚Weine, Leben, Essen‘. Nachfolgend ein paar kleine Eindrücke.

Dekoration

Speisenwahl

Lammrücken

Entenleber

Nach diesem gelungen Gourmetabend, dank Heinz-Dirk, klang der Abend exakt so aus wie der letzte. Die Abreise am Sonntagmorgen fiel uns bei nun wieder strömendem Regen nicht schwer und ließ uns alle auf einen wie jedes Jahr harmonischen, erlebnisreichen und sehr kurzweilige Mannschaftsausflug, bei dem es das Wetter auch noch gut mit uns meinte, zurückblicken. Ich bin sicher, wir amüsieren uns 2018 notfalls auch in Plastau prächtig, dass dann mit uns übrigens kurzzeitig 52 Einwohner hätte.

1. Herren, Aktive, NewsPermalink

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.